Begleitvorhaben: Analyse und Synthese (Schwerpunkt ZALF)

Das wissenschaftliche Begleitvorhaben am ZALF setzte Schwerpunkte beim transdisziplinären Prozessmanagement (z.B. Organisation von Workshops, Vernetzungsaktivitäten, etc.) sowie der wissenschaftlichen Analyse und Synthese von projektübergeordneten Fragestellungen.

Synthese: Sustainable Land Management in a European Context – a Co-Design Approach

Wie kann Landnutzung nachhaltiger gestaltet werden? Und welche Entwicklungsprozesse braucht es, um zunehmende Konflikte und Konkurrenzen einer Lösung zuzuführen? Auf diese Fragen geht der neue Band „Sustainable Land Management in a European Context – a Co-Design Approach“ ein. Er wird herausgegeben von den aktuellen wie früheren ZALF Mitarbeiter*innen Thomas Weith, Tim Barkmann, Nadin Gaasch, Sebastian Rogga, Christian Strauß und Jana Zscheischler.

Auf über 350 Seiten werden innovative Lösungsansätze für das Landmanagement im europäischen Kontext vorgestellt und diskutiert. Das Buch betont und beleuchtet Mitgestaltungsprozesse im Rahmen der "Co-Design-Ansatzes", der die Zusammenarbeit in transdisziplinären Forschungsprozessen zwischen Wissenschaft und anderen Akteuren reflektiert.

Das Buch liefert einem Überblick über den aktuellen Stand verschiedener Landnutzungspraktiken und die daraus resultierende Notwendigkeit, die Landressourcen nachhaltiger zu bewirtschaften. Neue Systemlösungen und Governance-Ansätze im nachhaltigen Landmanagement werden aus einer europäischen Perspektive vorgestellt. Neue Ansätze für ein nachhaltiges Landmanagement ergeben sich aus der Co-Design von Veränderungsprozessen und der Entwicklung neuer Wissensbestände durch Co-Kreationsprozesse.

Für eine breite Leserschaft aus den Landsystem- und Umweltwissenschaften, Sozialwissenschaften und Geowissenschaften bieten sich hier neue Erkenntnisse und Erfahrungen zum nachhaltigen Umgang mit Land.

  • Weith, T.; Barkmann; T., Gaasch, N.; Rogga, S.; Strauß, C.; Zscheischler, J. (2020): Sustainable Land Management in a European Context - A Co-Design Approach. Springer Verlag, Open Access [Link zur Publikation] Buch

Synthese: Innovationen für ein Nachhaltiges Landmanagement – eine vergleichende Fallstudie

Nach wie vor besteht ein unzureichendes Verständnis darüber, wie die Transformation und der sozio-technologische Wandel im spezifischen Bereich der nachhaltigen Landnutzung und -bewirtschaftung effektiv gesteuert und unterstützt werden können.

Ziel dieser Analyse war es die neun regionalen Innovationsgruppen hinsichtlich ihres Beitrags zu einem Nachhaltigen Landmanagement (NLM) zu untersuchen. Hierzu analysierte  das Begleitvorhaben (i) die jeweiligen Problemdefinitionen und -rahmungen, (ii) die Art und den Neuigkeitsgrad der Innovation, (iii) die verschiedenen Ansätze zur Steuerung von Innovationsprozessen und (iv) die möglichen „leverage points“ dieser Lösungen im Governance-System eines Nachhaltigen Landmanagements.

Die Ergebnisse zeigen, dass NLM-Innovationen von unterschiedlichen Problemstellungen ausgehen und sehr verschiedene Handlungsfelder umfassen.

Die Vielzahl der analysierten Innovationen können entlang unterschiedlicher Lösungsstrategien geclustert werden:

(i) Mehrfachnutzungen von Land,

(ii) wissensbasierte Tools zur Entscheidungsunterstützung,

(iii) Co-Management-Ansätze und

(iv) neue Organisationen und Institutionen.

Die Auswertung führte zur drei Hauptthesen hinsichtlich der Spezifität von Innovationen für ein Nachhaltiges Landmanagement:

  1. Nachhaltiges Landmanagement ist eine neue und komplementierende Form der Governance und zugleich normative Orientierung (beispielsweise für Innovationsprozesse).
  2. Innovationsprozesse für ein NLM verfolgen eine Strategie, die unterschiedliche Zielsetzungen integriert und kombinieren hierfür transdisziplinäre Prozesse mit Innovationsmanagementansätzen.
  3. Innovationen für ein Nachhaltiges Landmanagement sind kaum disruptiv oder radikal.
  • Zscheischler, J., & Rogga, S. (2020).  Innovations for Sustainable Land Management—A Comparative Case Study. In Sustainable Land Management in a European Context (pp. 145-164). Springer, Cham.Open Access [Link zur PublikationBuchbeitrag

Studie: Perspektiven von Nachwuchswissenschaftler*innen in transdisziplinären Forschungsprojekten

Transdisziplinäre Forschungsprojekte stellen für alle Beteiligte eine Herausforderung dar: sie erfordern viel Abstimmung, Übersetzungsarbeit, Managementaufwand und nicht zuletzt viel Zeit! Auch Nachwuchswissenschaftler*innen, die in solchen Projekten ihre Qualifikationsarbeit schreiben, sind davon beeinflusst, insbesondere weil sie in transdisziplinären Forschungsprojekten viele Tätigkeiten übernehmen, die zunächst einmal wenig mit der Dissertation zu tun haben.

Welche Erfahrungen sie im Laufe der fünfjährigen Laufzeit gemacht haben, welche Vor- und Nachteile daraus erwachsen sind und wie sie diese Erfahrungen hinsichtlich ihrer eigenen Karriereentwicklung bewerten, wurde in einer Studie ausgewertet. Die Ergebnisse basieren auf einer Auswertung leitfadengestützter Interviews sowie auf Erkenntnissen einer Gruppendiskussion, die während der Abschlussveranstaltung der Fördermaßnahme stattfand. Das Besondere daran: in beiden empirischen Schritten wurden die Perspektiven von Nachwuchswissenschaftler*innen ebenso berücksichtigt wie die von Projektkoordinator*innen sowie erfahrenen Kolleg*innen aus der Wissenschaft.

Der Beitrag zeigt, dass die individuellen Erfahrungen sehr unterschiedlich ausfallen. Der Zugewinn persönlicher Fähigkeiten, Netzwerkkontakte sowie der Praxisbezug der Forschung stechen als Positiva heraus. Als kritisch hingegen wird die Anschlussfähigkeit einer solchen transdisziplinären Tätigkeit an eine akademische Karriereentwicklung beurteilt. Die Studie stellt zudem mögliche Ansatzpunkte vor, um den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen.

Abbildung: Ergebnisse Interviews und Gruppendiskussion mit Nachwuchswissenschaftler*Innen, Betreuer*Innen und Projektkoordinator*Innen
  • Rogga, S. & Zscheischler, J. (forthcoming): Opportunities, balancing acts, and challenges – doing PhDs in transdisciplinary research projects. In: Environmental Science & Policy. Fachzeitschrift

Studie: Wieviel Realweltlabor steckt in transdisziplinären Forschungsformaten und vice versa?

Realweltlabore gelten als interessanter Ansatz in der Transformationsforschung. In zumeist räumlich begrenztem Maßstab sollen über Formen des Experimentierens neues Wissen erarbeitet und zudem Anstöße für eine nachhaltige Entwicklung gegeben werden. Hierbei zeichnet sich eine große Schnittmenge mit dem transdisziplinären Forschungsansatz (und generell dem Vorgehen der Innovationsgruppen) ab. Der Beitrag diskutiert die konzeptionellen Weiterentwicklungsmöglichkeiten für Realweltlabore, um sie deutlicher vom transdisziplinären Forschungsansatz abzuheben und somit beiden Konzepten zur Profilstärkung zu verhelfen. Hierbei wird in einem idealtypischen Forschungsprozess, der beide Konzepte kombiniert, vorgeschlagen, einem Realweltlaboransatz einem transdisziplinären Forschungsprozess voranzuschalten, wo es sinnvoll erscheint.

Abbildung: Real(welt)Labor als vierte (Umsetzungs- und Test-)Phase, die sich an
einen transdisziplinären Forschungsprozess anschließt (adaptiert und erweitert nach Jahn & Keil, 2016).

  • Rogga, S.; Zscheischler, J.; Gaasch, N. (2018): How Much of the Real-World Laboratory Is Hidden in Current Transdisciplinary Research? In: GAIA 27/S1(2018): 18–22. [Link zur PublikationFachzeitschrift

Studie: Erfolgsfaktoren transdisziplinärer Innovationsforschung

Fragen zu geeigneten Evaluationsansätzen sind nach wie vor ein zentrales Thema in Diskussionen zu transdisziplinärer Forschung (TDR). Empirische Erhebungen befassten sich meist mit Sichtweisen ausgewählter Expert*innen. Erfahrungswissen, Einstellungen und Motivationen einer größeren Wissenschafts-Praxis-Community hingegen blieben bislang unberücksichtigt.

Das Ziel dieser Studie war es, Einblicke in die Erfolgswahrnehmung und -einschätzung zu transdisziplinären Projekten von Wissenschaftler*innen und Praxisakteur*innen zu bekommen, die Erfahrungen in der transdisziplinären Zusammenarbeit haben.

Was ist Erfolg?

Erfolg ist ein soziales Phänomen:

  • subjektiv und intersubjektiv - konstruiert durch Individuen und soziale Gruppen
  • multidimensional - verbindet technische, ökonomische, Verhaltens- und strategische Dimensionen (C1….Cn, Mc Leod et al., 2012)
  • spiegelt Zielerreichungen, Einstellungen, Motivationsstrukturen und Zufriedenheit wider (Attkinson 1999, Ika 2009, Alderman & Ivory  2011).

Folgende Fragen sollten beantwortet werden:

  • Welche Kriterien definieren den wahrgenommenen Erfolg in transdisziplinären Projekten?
  • Wie und woran bewerten WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen den Erfolg ihres Projektes?

Ergebnisse:

Die Ergebnisse zeigen, dass viele Befragte Schwierigkeiten haben, die Frage nach der Definition von Erfolg für ihr Projekt zu beantworten. Dies wird in Verbindung mit schwer beobachtbaren, direkten Wirkungen des Projektes gesehen. Die Erfolgswahrnehmung variierte innerhalb der Projekte und veränderte sich über die Zeit. Retrospektive Einschätzungen sind positiver. Für die Erfolgseinschätzung werden der praktischen Relevanz eine höhere Bedeutung als der wissenschaftlichen Relevanz zugeschrieben.

  • Zscheischler, J., Rogga, S., & Lange, A. (2018). The success of transdisciplinary research for sustainable land use: individual perceptions and assessments. Sustainability science, 13(4), 1061-1074.  [Link zur Publikation] wiss. Beitrag

Workshopkonzept: „Impact Stories“ - Wirkungen transdisziplinärer Forschungsprojekte reflektieren, dokumentieren und kommunizieren

Die Evaluierung, Bewertung und Kommunikation von Projektergebnissen ist nicht nur für den Fördermittelgeber wichtig, sondern auch für die eigene Reputation. Die besondere Qualität und die Wirkungen transdisziplinärer Forschung lassen sich jedoch nur schwer erfassen und darstellen. Insbesondere quantitative Indikatoren scheinen wenig geeignet.

So genannte “Impact Case Studies” sind eine Möglichkeit, um die gesellschaftlichen Wirkungen transdisziplinärer Forschung besser zu erfassen.

Ein Workshop zur Erstellung solcher „Impact Stories“ gab den Teilnehmer*innen die Möglichkeit, die eigenen Aktivitäten noch einmal zu reflektieren, mögliche Wirkungen (intendierte, aber auch nicht-intendierte) aufzudecken und konkret zu belegen. Ziel war es, Impulse und erste Schritte für das Schreiben einer eigenen “Impact Case Study” zum eigenen Projekt zu entwickeln.

Zentrale Fragen waren: 

  • Welche Wirkungsdimensionen gibt es in transdisziplinären Forschungsprojekten?
  • Welche Wirkungen haben wir in unserem Projekt erzielt bzw. beobachtet? Welche sind noch zu erwarten? Wie lassen sich diese Wirkungen belegen?
  • Wie kann mich das Wissenschaftliche Begleitvorhaben beim Erstellen meiner “Impact Story” unterstützen?

Ansprechpartner*in:  Jana Zscheischler & Sebastian Rogga

Synthese - Transdisziplinäre Zugänge für den integrierten Naturschutz und das Kulturlandschaftsmanagement

Können durch neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis nachhaltige Gestaltungsimpulse für den Naturschutz und das Kulturlandschaftsmanagement initiiert werden?

Dieser Frage gingen wir bei der Synthese von Erfahrungen aus drei Innovationsgruppen dezidierter nach und reflektierten beispielhaft deren Ansätze.

Es zeigte sich, inter- und transdisziplinäre Zugänge für den Naturschutz und das Management von Kulturlandschaften sind dazu geeignet den paradigmatischen Wandel weg von einem „konservierenden Naturschutz“ und hin zu einer „aktiven Landschaftsgestaltung“ zu vollziehen, in der Wertschätzung, Wertschöpfung sowie Innovation als handlungsleitende Kernelemente angeführt werden können.

  • Rogga, S.; Kempa, D.; Heitepriem, N.; Etterer, F. (2017): Jenseits von „Bürgerwissenschaften“ – neue Wege der Nachhaltigkeitsforschung  im  integrierten  Naturschutz und dem Kulturlandschaftsmanagement. – ANLiegen Natur 39(1): 60–68, Laufen. [Link zur PublikationFachzeitschrift

Schwerpunkt Landmanagement

Dr. Jana Zscheischler
Sebastian Rogga
Andreas Kubatzki

Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.
Tel: (0)33432 82 403

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www.zalf.de

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